Hoffentlich ein Todestag

„Dieser Tag ist vermutlich, HOFFENTLICH ihr Todestag.“ Dieser Satz ist berührend und leider immer noch aktuell. Er berührte mich, als ich ihn las so sehr, wie wahrscheinlich jeden Menschen …

Hoffentlich ein Todestag


Hoffentlich ein Todestag

„Dieser Tag ist vermutlich, HOFFENTLICH ihr Todestag.“ So schreibt es Gaby Bohnacker auf der Internetseite für die ermordete Johanna Bohnacker, ihre acht Jahre alte Tochter. Sie wünscht sich, dass sie nicht noch weiter gelitten hat, sondern sterben durfte, bevor sie noch mehr leiden musste. Weiterhin schreibt sie:

„Immer, wenn wir von dir erzählen, fallen Sonnenstrahlen in unsere Seelen. Unsere Herzen halten dich gefangen, so, als wärst du nie gegangen. Was bleibt sind Liebe und Erinnerung. Und wir fragen noch immer: Warum?“

Die Antwort, das „Warum“, wird sicher niemals wirklich möglich sein. Eine solche Tat kann man nicht verstehen. Das wird sich niemals verändern können. Man muss nicht Vater oder Mutter eines Kindes sein, damit man fassungslos dasteht, wenn eine solche Tat öffentlich bekannt wird.

Zudem gibt es einen Brief an den Täter auf der Homepage. Dieser ist wirklich sehr berührend und versucht, Information zu bekommen. Die Eltern fragen sich nach einem „Warum?“ und werden nicht verstehen können, dass dieses „Warum“ nicht gibt. Es gibt sicherlich keinen Grund, der eine solche Tat ausreichend erklärt oder gar rechtfertigt.

Ein genauer Todestag steht heute noch nicht fest und auf dem Grabstein noch immer kein Todestag.

Der Fall Johanna Bohnacker

Am 02. September 1992 geschah das Verbrechen bzw. nahm es seinen Lauf. Johanna, damals 8 Jahre alt, wird auf einem Radweg in Rahnstadt-Bobenhausen in ein Auto gezwungen, wonach sie sexuell missbraucht und getötet wird. Trotz umfangreicher Suche wird zuerst nur das Fahrrad gefunden. Am 1. April 2000 wird eine Leiche gefunden. Anschließend werden mehrere Male Fingerabdrücke in der Bevölkerung genommen. Im September 2014 sucht man in der Sendung „Aktenzeichen XY“ nach dem Täter. Bisher kommt es zu keinem Erfolg.

Die Wendung im Fall Johanna

Im August 2016 wird beobachtet, wie ein Mann eine 14Jährige in einem Maisfeld fesselt und Parallelen werden bemerkt. Am 25.10.2017 wird nun ein dringend tatverdächtiger Mann festgenommen, der aufgrund neuer Kriminaltechnik ermittelt werden kann. Man geht davon aus, den Täter gefunden zu haben. Das Umfeld ist erleichtert und man hofft, dass nun der Fall aufgeklärt werden kann.

Viele Fragen bleiben offen …

Wie kann ein Mensch eine solche Tat – möglicherweise mehrfach – begehen und was motiviert einen Menschen, ein unschuldiges Kind gewaltsam so massiv zu verletzen und sogar zu töten?

Was muss einem Menschen für ein Leid zugefügt werden, damit er diese Aggression wirklich umsetzen kann?

Aber auch die Frage:

Was ist falsch in unserer Gesellschaft und in unserer Bestrafungskultur – also am System – damit es dazu kommt, dass Menschen solche Taten begehen, keine Hilfe erhalten und überhaupt Täter werden können?

Kann man nicht präventiv mehr Menschen helfen, die immer mehr in Leid, Einsamkeit und Trauer rutschen und dann Hoffnung und Liebe verlieren?

Wie einsam und anonym ist unsere Gesellschaft geworden, obwohl wir virtuell immer näher rutschen?

Denken wir auch weiter …

Lassen wir uns nicht zu gewaltsamen Äußerungen hinreißen, sondern gehen wir etwas weiter. Natürlich sind wir unfassbar betroffen und fühlen uns als Gesellschaft angegriffen. Aber schauen wir darüber hinaus auch einmal darauf, wie wir anderen Menschen begegnen. Wie gehen wir damit um, wenn wir traurig und verletzt sind? Wann und von wem ziehen wir uns zurück und wieso? Wo können wir mehr Liebe und Frieden verbreiten, statt Ablehnung und Aggression die Türe zu öffnen?

Natürlich sind wir traurig, wütend und fassungslos … aber denken wir nach der intensiven Berührung auch weiter und versuchen wir, möglichst als Gesellschaft für die Verhinderung solcher Taten zu sorgen. Helfen wir den Betroffenen, damit sie keine Täter werden, denn dies geschieht viel zu oft. Jedes Mal ist zu oft.

Wenn man Hilfe sucht …

Wir suchen Hilfe immer erst dann, wenn es schon sehr spät ist und unser Leiden ganz massiv. Viele Menschen erzählen, dass sie Hilfe suchen und sie nicht bekommen. Andere erzählen, dass sie beispielsweise den Hausarzt aufsuchen und die einzige Antwort in Psychopharmaka liegt, die Probleme nur dämpfen, aber nicht lösen. Oftmals warten Betroffene auf einen Therapieplatz zu lange und gehen dann auch nicht mehr, weil sie immer tiefer in Angst und Depression gerutscht sind. So entstehen eben auch Täter, die sich und/oder andere Menschen in den Tod reißen. Immer wieder weisen uns Schlagzeilen darauf hin.

Klarstellung:

Es geht nicht darum, den Täter in Schutz zu nehmen, sondern darum, dass wir dafür sorgen müssen, uns vorher darum zu kümmern, dass weniger geschieht. Statt härterer Strafen und mehr Strafvollzug mehr Zuwendung, Hilfestellung und leichteren Zugang zu Hilfen – das brauchen wir. Mehr Psychologische Beratung, Seelsorge und Präventionsangebote. Dann wird es weniger werden können und nicht mehr, was wir dann härter bestrafen können.

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Veröffentlicht unter Trauer permalink

Über Arno Ostlaender

Hallo, ich bin der Mensch hinter dieser Internetseite. Nach zwanzig Jahren in Vertrieb und Verkauf habe ich mein Leben vor etlichen Jahren verändert und von dem profitiert, was ich lernen durfte. Heute sind Psychologische Beratung, Yoga, das schreiben von Büchern und die Begleitung von Menschen in schweren Situationen mein leidenschaftlicher Beruf. Es ist mir eine Herzensaufgabe, durch den Wandel meines Lebens andere Menschen mit meiner Erfahrung achtsam zu begleiten. Ich freue mich auf den Kontakt zu meinen Lesern - hier im Blog oder persönlich.

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