Klage vor dem BGH: Verachtet die Gesellschaft Frauen?

Heute verklagt Marlies Krämer vor dem BGH die Banken, weil sie die Frauen verachten und erwartet eine grundsätzliche Änderung, denn so geht es nicht weiter, sagt sie. Was ist hier wirklich los?

Marlies Krämer klagt vor dem Bundesgerichtshof – mal wieder!

Heute Morgen war es eines der Themen im ARD Moma: Frauenverachtung und Zwangs-Geschlechtsumwandlung der Frau durch die Banken. Marlies Krämer sieht das so – und das wegen Überweisungsvordrucken. Der „Empfänger“ und der „Kontoinhaber“, das sieht sie als unzumutbar und erwartet, auch als Frau angesprochen zu werden. Je nach Urteil werden 1.600 Banken ihre Vordrucke ändern müssen. Das kennt man schon von ihr. Wetter Tiefdruckgebiete haben auch männliche Namen, weil Marlies Krämer dagegen vorgegangen ist.

Klage BGH Frauenverachtung


Verachtet die Gesellschaft Frauen?

Ja und  das ist unzumutbar. Wer in eine Tankstelle geht, der darf sich an Weiblichkeit erfreuen, wo sie nicht erforderlich ist. Ich persönlich möchte keine Zeitung mit einer hochstilisierten und mit Photoshop bearbeiteten 08/15 Schönheit sehen. TV Programm Ja – aber Bikini Beauty muss ich nicht haben.

Dann geht man (Merke: Mit einem „N“ nicht männlich!) in den Textilladen und findet kaum etwas zwischen Konfektionsgrüße 40 und 50 – darunter ist alles möglich und darüber gibt es spezielle Zelt-Läden. Auch das ist nicht normal, denn die meisten Frauen sind dazwischen „Zuhause“.

Die klassischen Frauenzeitschriften sind da auch keine Ausnahme, denn man sieht hier immer wieder Fitness-Übungen, Selbstliebe-Coachings, Diät-Empfehlungen und Kuchenrezepte hintereinander. Also ist die Botschaft hier:

  • Liebe Dich, wie Du bist!
  • Trainiere, Du faules Weib!
  • Nimm endlich ab, fette Sau!
  • Schau mal, wie lecker! Das brauchst Du jetzt!

So erhält man Kundschaft und bewahrt Probleme so, dass es in der nächsten Woche genau die gleiche Dosis braucht. Immer wieder genau die gleiche Zusammensetzung mit der schönen Frau auf der Titelseite, die Mutter ist, Unternehmerin und sexy Ehefrau – natürlich Yogini und tiefenentspannt.

Das ist widerliche Volksverdummung – und sie zieht. Warum? Weil Frauen es leider gelernt haben, sich selbst zu verachten. Das Selbstbewusstsein von Frauen ist unnötig schlecht – so wie das meiner Spezies unnötig gut ist. Beides könnte eine Korrektur erfahren und das würde ich mir wünschen.

Frauen dürfen anerkennen, dass sie nicht nur das Wunder des Lebens in sich tragen, sondern von uns Männern wegen so vieler Dinge bewundert werden. Wir lieben es, dass Frauen Gefühle haben, ein Heim schaffen können und wir sind beeindruckt über das, was Frauen alles gleichzeitig schaffen. Oftmals sind Haushalt, Kind, Karriere und Freundinnen eine Maximalbelastung, die ganz easy gemeistert wird – das schafft kein Mann. Dabei auch noch sexy und verführerisch – unglaublich.

Aber bitte nicht mit so viel Druck in allen Bereichen. Frau darf sich auch einmal zurücklehnen und ist auch nicht unattraktiv, weil sie nicht die größte Oberweite, die schmalste Taille oder den saubersten Haushalt hat. Das ist es nicht. Vor allem ist es nicht nötig, sich all dem so massiv auszusetzen.

Es wird Zeit, sich Freiräume zu schaffen, „ihn“ mit einzubeziehen in das gemeinsame Leben und einmal einen Ganz herunterzuschalten. Gerne einmal eine Yogastunde mehr, ein wenig entspannen und etwas Meditation. Selbstliebe und positive Gedanken kann man entwickeln und es gibt ein Grundrecht auf Glück für uns alle. Niemand sagt, dass Frau wirklich verpflichtet ist, sich immer sexy und anziehend zu zeigen, aber eigentlich Angst davor hat. Wir leben in einer Welt, in der Weiblichkeit noch einmal neu definiert werden muss. Es wird Zeit, dass Frau sich selbst erkennt und sich auch mit kleinen Unperfektionen sexy finden kann, ohne es immer sein zu müssen. Natürliche Weiblichkeit ist schön und echt. Das ist aber eben nicht zwanghaft, kein Zeichen von Unterwürfigkeit und sollte nicht das Ergebnis von Unterdrückung sein.

Es wird Zeit, dass Mann und Frau sich befreien. Männer dürfen mehr Gefühle in ihr Leben lassen. Frau und Mann müssen sich nicht nur den Job teilen, sondern auch die Belastungen durch Privatleben und Alltag. Schlankheitswahn und Fast-Food-Kultur passen nicht zusammen. Wir dürfen unsere Unterschiede anerkennen und schön finden. Jeder darf seine Einzigartigkeit anerkennen und leben.  Jede Frau darf sich gut genug fühlen und sich anerkennen und muss keinesfalls eine dieser gesichtslosen und angeblich faltenfreien Schönheiten werden, die es wegen der Bildbearbeitung so nicht einmal bei dem abgebildeten Motiv gibt.

Da war doch noch was: Ist die Gesellschaft in den Vordrucken geschlechterfeindlich?

Zurück zum Eingangsthema: Marlies Krämer und die frauenfeindlichen Überweisungsvordrucke. Liebe Frau Krämer, hier einige Hinweise dazu:

  • Es ist nicht frauenfeindlich, wenn man die im Wörterbuch zu findende neutrale Version nimmt, um diese auf einem Vordruck platzsparend unterzubringen.
  • Bücher könnte man nicht lesen, wenn man immer beide Geschlechter erwähnt. Manche Bücher würden ganz den Sinn verlieren. „Er oder sie liebte seine oder Ihre Brüste oder Bauch wegen …“ Man merkt schnell, dass man so einen Text nicht lesen kann.
  • Die Umbenennung von „Studentenwerk Aachen“ in „Studierendenwerk Aachen“ kostete eine sechsstellige Summe – und warum? Wegen nichts.
  • Sexismus ist oftmals unangemessen und begegnet uns auf vielen Medien. Das ist wirklich zu viel – aber das kann man dem Vordruck nicht vorwerfen.
  • Frauen scheuen Trennungen aufgrund von Angst vor Gewalt viel zu sehr und viel zu lange. Das kenne ich gut aus der Paartherapie. Gewalt ist aber ein Thema der Gesellschaft – ohne dass ein Geschlecht dabei wichtig ist.

Was ich auch anmerken möchte:

  • Eine „Muttersprache“ diskriminiert mich nicht in meiner Männlichkeit, auch wenn Sie vielleicht das „Vaterland“ so empfinden.
  • Wir haben mittlerweile noch ein drittes Geschlecht eingeführt. Hier wird gerade nach Bezeichnungen gesucht. Müssen wir das auch schon berücksichtigen oder können wir dann gar nichts mehr beschriften? Wäre es dann erneut Diskriminierung und würden Sie dafür auch einstehen?

Zudem noch persönlich:

  • Ich bin ein Mann, der vergewaltigt wurde und darunter gelitten hat.
  • Mein Opa hat mich mehrfach brutal geschlagen – Körperverletzung kenne ich also.
  • Meine Mutter hat aus mir – einem schlanken Kind – einen Fettsack erzogen.
  • ich kenne Mobbing und habe es von der Grundschulzeit an erlebt.
  • ich wurde schon von meiner Ex-Freundin zu unrecht bloßgestellt und angeklagt – was sich nachher auch klärte.
  • Ich wurde immer Zuhause unter Leistungsdruck gesetzt und gleichzeitig hieß es, dass ich ohnehin zu dumm für alles bin.

Ich kenne also Unrecht und Gewalt, Übergriffigkeit und viele dieser Dinge aus meinem Leben. #metoo passt also auch zu meinem Leben.Das möchte ich vor meinen folgenden Worten einmal erklärt haben. Männer haben doch keinen schlechten Ruf, einfach weil sie Männer sind – oder?

Also liebe Frau Krämer – nochmals ganz persönlich. Wenn Sie nicht ausgelastet sind und wegen dieser Formulare die deutschen Gerichte beschäftigen müssen – wie man es von Ihnen schon kennt – dann nehmen Sie zur Kenntnis, dass es nicht diskriminierend ist, was Sie anklagen. Hier geht es um Vordrucke, die lesbar sein müssen und die keinen unbegrenzten Platz haben. Es wird die neutrale Version gewählt, die eher zufälligerweise männlich ist. Es gibt viele Dinge, die falsch laufen und Menschen, die zu viel Zeit haben. Wenn Sie mal eine gute Idee haben, die wir gemeinsam erträumen können. dann bin ich gerne für Sie da – aber bitte beschäftigen Sie nicht auf Kosten der Steuerzahler die deutschen Gerichte für diese Kinkerlitzchen. Ich bin für einen guten Witz zu haben, aber den sollten Sie mit Ihrer Rente bitte dann privat finanzieren. Ich bin nicht bereit, die Kosten einer solchen Lächerlichkeit mit meinen Steuern zu bezahlen, während wir bei den wahren Themen nichts unternehmen. Machen Sie vielleicht einfach mal eine Familienaufstellung (Achtung – auch das ist eine männliche Form).

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