Warum unser Herz nicht dumm ist

Wir sprechen oft davon, dass unser Herz dumm wäre, was aber dann zu falschen Behauptungen und Rückschlüssen führt. So sind die Zusammenhänge wirklich und so geht es aus der Talsohle der schlechten Gefühle hinaus.

Warum unser Herz nicht dumm ist Selbstaufopferung Oscar WildeDas dumme Herz ist oft etwas, über das wir sprechen. Wenn wir endlich unser Herz in den Griff bekämen, dann würden wir endlich die längst überfälligen Entscheidungen treffen können und uns endlich von dem lösen, was uns belastet. So halten wir in Beziehungen aus, die uns unglücklich machen oder wir bleiben in unserem verhassten Job, weil unser Arbeitgeber ohne uns nicht zurechtkäme. Wir ertragen Dinge, die wir an sich lange nicht mehr verkraften können, weil wir der Meinung sind, unser großes Herz verpflichte uns dazu, in Leid und Elend zu leben und wir verlieren die Fähigkeit, für uns selbst gut und richtig zu sorgen.

Unser Herz ist nicht dumm, denn unser Verstand ist es. Dumm trifft es dabei nicht sonderlich gut, sondern eher falsch konditioniert. Das bedeutet, dass du es gelernt hast, Schuld und Verantwortung, Leiden und Last auf deinen Schultern zu tragen. Du hast früh übernommen an der falschen Stelle die Verantwortung zu übernehmen und immer für andere Menschen da zu sein. Es ist so, dass wir glauben, die Welt würde zusammenbrechen, wenn wir uns für uns selbst entscheiden. Daher nehmen wir anderen Menschen scheinbar das Leid ab, aber sie bleiben weiterhin in ihren Dingen gefangen und wir teilen das Leid mit ihnen.

Wir verbauen Menschen ihre Heilung, wenn wir sie nicht ihren Weg gehen lassen. Dadurch, dass wir glauben, wir müssten die Verantwortung für das Leid und die Einsamkeit anderer Menschen tragen, nehmen wir ihnen die Chance, hinter ihre Probleme zu schauen und erst einmal so richtig leid zu sein, woran sie zu ersticken glauben. Einen Menschen sein Leid nicht erleben zu lassen bedeutet eben auch ihn nicht mit der dahinter stehenden Kraft in Verbindung kommen zu lassen. Wenn wir einem Menschen alle handwerklichen Dinge abnehmen, dann wird er nie lernen, einen Nagel in die Wand zu hauen. Ebenso verhält es sich mit der Essenszubereitung. Ist es unsere Aufgabe, immer zu kochen, dann wird unser Partner sich kein Butterbrot selbst machen können. So ist es auch mit der Seele und unserem Wachstum. Wenn wir einem Menschen die Entfaltungsmöglichkeiten nehmen, dann nehmen wir ihm auch die Chancen, an Herausforderungen zu wachsen. Sie bleiben in zerrütteten Beziehungen und halten an dem Fest, woran sie leiden.

Was haben wir davon? Wir sind die Menschen, die ihr Ego stärken können, wenn wir das Leid anderer Menschen übernehmen und deren Verantwortung wegnehmen. Dabei haben wir aber keine Chance, am Leid anderer zu wachsen, unser Wachstum haben wir scheinbar darin, dass wir Gutmenschen werden, die immer trauriger und niedergeschlagener sind und den Eindruck haben, dass für uns niemand da ist, wenn wir einmal Hilfe benötigen. Dadurch, dass wir anderen Menschen alles abnehmen kommt erst niemand auf die Idee, uns könne es einmal nicht gutgehen und bietet uns Hilfe und eine Umarmung erst gar nicht an.

Wie können wir dieses Verhalten verändern? An sich ganz leicht. Es ist gut, für Freunde und Kollegen, Familienmitglieder, Partner und Kinder da zu sein, aber es reicht, wenn man sich in den Arm nimmt, aufmerksam ist und auf Hilfe verweist – vielleicht auch auf professionelle Hilfe. Das Leid anderer Menschen zu hören und mitzuleiden hilft niemandem. Die gleiche Geschichte immer wieder zu ertragen erschafft nur noch immer mehr Leiden auf beiden Seiten – das ist wirkliches mitleiden. Seien wir aufmerksam und zugewandt, aber wir müssen lernen, auch auf uns zu achten. Das kann ein langer Prozess sein, der auch Psychologische Beratung benötigen kann, damit der Einzelfall aufgelöst wird, aber es ist wichtig, damit wir zu uns selbst finden und unser Leben führen. Das Leben und das Leid anderer Menschen sind nicht unser Leid und unser Leben. Wir dürfen auch einmal Nein sagen und brauchen nicht alles aufzusaugen, was sich an Leiden bietet, denn auch wir dürfen und müssen uns entwickeln. Die Fähigkeit Nein zu sagen kann man lernen und das ist ein Ja zu uns und unserem eigenen Leben.

Selbstaufopferung
sollte polizeilich verboten sein.
Sie wirkt so demoralisierend auf die
Menschen, für die man sich aufopfert.
Oscar Wilde

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Kommentare

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