Was wir mit den besten Freunden machen …


Wer ist der beste Freund des Menschen? Das ist nicht die einzig spannende Frage, denn wie wir mit unseren Freunden umgehen, das ist reichlich pervers. Daher einmal ein paar Worte, die deutlich aufzeigen, wo wir ein gesellschaftliches Problem haben, über das wir nachdenken müssen.

Was wir mit den besten Freunden machen


Was wir mit den besten Freunden machen …

Der beste Freund des Menschen ist der Hund. Alternativ geht auch die Katze oder das Pferd – oder ein anderes Lieblingstier. Tiere als Freunde oder gar Familienmitglieder zu sehen ist normal. Das gibt uns ein gutes Gefühl und sichert eine Verbundenheit mit Flora und Fauna – wir fühlen uns dadurch in die Umwelt integriert. Wie aber steht es dabei wirklich um uns und um das Miteinander mit der Natur?

Mein Freund das Haustier

Ein Tier Zuhause haben, das kenne ich natürlich auch. Sicher kenne ich die Verbundenheit zu einem Haustier. Aber – wenn ich ehrlich bin – man sperrt Freunde nicht in Käfige. Meine Vögel haben zwar den Käfig nur als Nahrungsquelle und Schlafplatz genutzt, aber manchmal habe ich sie dort einsperren müssen – und das Leben in einer Wohnung ist für kein Tier artgerecht. Zudem rauchte ich damals wie ein Schlot. Darüber dachte man früher nicht nach, aber ich habe den Tieren sicherlich geschadet und sie verrecken lassen durch meine Qualmerei. Da ich mehrere ganz besondere Vögel hatte und zwei davon richtig sprechen konnten, trifft mich das heute sehr, wenn ich zurückblicke. Man sperrt Freunde nicht ein, man muss sie nicht anleinen und man tötet sie auch nicht durch die eigene ungesunde Lebensweise, die man ihnen aufdrückt. Es macht mich traurig, dass ich so unbedarft war.

Mein Kind das Tier

Ich kenne es, dass Menschen wirklich verstorbenen Tieren einen Schrein bauen, denn sie waren ja so gute Freunde. Sie haben uns immer geliebt. Nein, das ist nicht Liebe, sondern Abhängigkeit. Warum brauchen wir das? Weil wir zu wenig Liebe bekommen haben und uns schon früh abgelehnt gefühlt haben. Das müssen nun Kuscheltiere kompensieren. Sie lieben uns ja so sehr. Wir aber sperren sie in, entscheiden über ihre Lebensverhältnisse und ihr Essen und glauben, dass sie uns lieben. Das Kind, das wir nicht bekommen können, wird ersetzt. Ebenso ersetzen wir die „schlechten“ Kinder, den fehlenden oder falschen Partner oder die beschissenen Eltern. Das Tier ist der Zwangsfreund, der alles das auszuhalten hat. Wir zwingen die Tiere zum Zusammenleben und kaufen / verkaufen sie. Sie werden wie Ware gehandelt und dann auf einmal gibt es Zuneigung, denn sie werden Familienmitglieder. Warum haben wir dann was gegen Menschenhandel? Das ist nicht weniger krass.

Das normale Schnitzel

Tiere sind fertig verpackt und paniert ja total lecker. Alle Gutscheinplattformen platzen aus den Nähten, wenn das Schnitzelmenü angeboten wird. Spare Ribs, Döner und Co sind total beliebt und auch noch Glaubensfrage. Die eine Kultur isst eher das, die andere das – aber alle haben eine eigene Kultur des tierischen Essens. Wenn es dann auf einmal in Südamerika Meerschweinchen sind oder in Südostasien Hunde, dann schreien wir auf, denn die gehören in die Wohnung und an die Leine, aber nicht auf den Teller.

Was macht das Teller-Tier aus? Welches Tier gegessen, welches gestreichelt und welches angezogen wird – das sagt unsere Kultur. Wie wir aufwachsen entscheidet, welches Tier wir womit assoziieren. Wir schreien, wenn Omas Pelz tragen, aber nicht dann, wenn Rocker Lederjacken anziehen – wäre wohl total ungesund, die zu bespucken. Es interessiert uns einen Scheiß, dass deutlich mehr Tiere aus Massentierhaltung unter unwürdigen Bedingungen dahin vegetieren, bis sie industriell und noch unwürdiger geschlachtet und portioniert werden. Niemanden juckt es, was da an Eiter weggeschnitten wird, welche Antibiotika im Fleisch sind oder wie das Tier in Dunkelheit und eigener Scheiße leben musste, bis es der Tötungsmaschinerie zugeführt wurde. Holocaust Vergleiche hinken hier nicht, aber das sind ja „nur Zuchttiere“. Wir wollen die Realität nicht sehen – wäre total unbequem.

„Wo Hühnchen mehrere Freunde haben!“ wirbt ein bekannter Fast Food Konzern. Es gibt immer mehr sinnlose Tierwohl-Siegel und Zuchtsiegel oder ähnlichen Unsinn. Bio Fleisch ist nicht mehr viel besser, wenn man mit Metzgern spricht. Diese sagen, dass sie selbst keine Ahnung mehr haben, was genau los ist. Es wird einfach immer mehr Schindluder getrieben und viel mehr an Etikettenschwindel betrieben, als je zuvor.

Züchtet man Freunde, sperrt man sie ein und muss man sie anleinen sowie unserem Leben aussetzen, damit sie unsere Probleme lösen?

Tiere gehören auf den Teller, oder?

Für mich nicht mehr bzw. kaum noch. Fisch esse ich mittlerweile wieder – aber gut finde ich es nicht. Als Vegetarier (Strenggenommen „Pescetarier“ – ich esse ja wieder Fisch.) werde ich heute gefragt: „Was isst Du denn überhaupt noch?“ Ist nicht wahr, oder? Doch. Viele Menschen fragen das, weil sie gar nicht wissen, was man ohne Fleisch denn noch essen soll und ohne die übergroßen Beilagen, die wir so gerne konsumieren. Wir ernähren uns so, als würden wir am Hochofen stehen und ersticken am Fett des Wohnstands durch Weizen, Stärke, Zucker, Gifte und Kohlehydrate. Wir leben so, als würden wir uns am liebsten gar nicht bewegen und gleichen es dann versuchsweise im Fitnessstudio aus – die meisten zumindest durch eine Abo-Zahlung und den guten Willen.

Was sollte man tun?

Ja, diese Frage stelle ich mir auch. Daher habe ich auch in meinem Facebook Profil geschrieben, dass mit der Kragen platzt. Die Dinge, die ich bedenklich, schlimm und traurig finde sind:

  • Massentierhaltung unter unwürdigen Bedingungen, wovor wir die Augen verschließen. Paniert ist das Schnitzel nicht mehr Fleisch und kann uns nicht mehr so traurig anschauen wie das Tier, welches in der Panade versteckt und zu Tode frittiert ist. Wenn das Hähnchen in der Aufzucht 10 € Futtermittelkosten hat und im Supermarkt 1,99 € kosten soll, dann muss da was nicht stimmen.
  • Haustierhaltung als Menschersatz und Lösungsversuch für das, was wir in unserer Seele nicht heilen wollen oder glauben, nicht heilen zu können.
  • Nutztierzucht für Bekleidungszwecke ohne Sinn und Verstand. Es ist billiger, als sinnvolle Alternativen zu finden und es wird dabei nur das genutzt, was gut ist und der Rest kommt in die Tonne.
  • Tierzucht für immer angepassteres Haustiere, die regelrecht designt werden und am besten noch an die Wandfarbe angepasst. Es muss noch immer süßer und kuscheliger werden, stressfreier und wohnungstauglicher.
  • Tierschutz wie Hunderettung in Spanien, Griechenland und Rumänien ist uns wichtig, aber hungernde Kinder im eigenen Land können wir ausblenden. Ebenso interessiert es nicht, dass in Pakistan Kinder verrecken, die in Chemiemüll baden, damit wir modische Jeans von 5 bis 200 € kaufen können.

Es liegt mir fern, Menschen zu verurteilen, denn ich habe diese Spielchen ja mitgemacht. Weitestgehend bin ich daraus ausgestiegen, aber das erhebt mich über nichts und niemanden und das möchte ich auch nicht. Aber ich würde mir wünschen, dass wir als Gesellschaft anfangen ein wenig mehr umzudenken. Es wird Zeit.

Ein paar Ideen zum Umdenken:

  • Es ist wichtig, dass wir mal weniger Fleisch essen, denn es wird nicht mehr so „produziert“, dass es gesund sein kann, was wir da essen und in welchen Mengen wir es konsumieren. Dabei sollten wir grundsätzlich mal mehr auf unsere Ernährung achten, die gar nicht zu unserem Lebensstil passt. Natürlich wäre es gut, möglichst weitgehend vegetarisch oder vegan zu leben, aber wir brauchen einfach einen Weg in die richtige Richtung und ein wachsendes Bewusstsein für das, was mit unserer Nahrung geschieht. Es darf auch ruhig mal mehr Alternativen geben, als Leder für ganz viele Dinge in den bisherigen Mengen zu benutzen. Heutiger Kunststoff ist dabei auch sicher nicht die Lösung.
  • Tiere als Menschen- und Liebesersatz zu züchten ist keine Liebe, sondern eine Armutserklärung an die fehlende Herzlichkeit und Wärme in unserer Gesellschaft. Es ist eine der vielen falschen Beziehungsarten, die wir leben. Wir züchten nicht nur Tiere, sondern auch Einsamkeit und Depressionen. Es braucht mehr Offenheit, Liebe und Achtsamkeit miteinander unter uns Menschen, mehr Aufarbeitung von Problemen und mehr Liebe unter uns. Dann brauchen wir weniger Ersatz, den wir zwingen möchten, unsere Probleme zu lindern, weil wir uns geliebt fühlen. Sich selbst wieder zu lieben ist viel schöner und wichtiger.
  • Wer sagt, dass er Tiere liebt, der sollte sie in ihrem Lebensraum belassen und sie sich natürlich entwickeln lassen. Der Lebensraum eines Tieres ist nicht in Zuchtbecken oder zugeschissenen Gefängnissen. Jedes Tier braucht seinen Lebensraum, den es natürlicherweise hat. Wir haben schon unendlich viele Arten aussterben lassen und dann wollen wir sie retten, falls wir es dann kurz vor Ende bemerken.

Meine Gefühle in sozialen Medien und im Alltag

  • Jedes Mal, wenn ich sehe, wie Menschen ihr Haustier lieben, dann spüre ich, welche Liebe wir als Gesellschaft vermissen und wie sehr wir vereinsamen.
  • Die sozialen Medien bringen uns virtuell einander so nahe, wie wir uns im Herzen nicht mehr kommen. Wir sind „oversexed und underfucked“, wie ich einmal las.
  • Wir konsumieren das panierte Leid, damit wir nicht mehr hinschauen müssen und tragen Schuhe, bei denen wir uns nicht von der Geschichte des Tierleids ablenken wollen.
  • Aktionen wie das Zeichen 269 sind in meinen Augen viel zu selten und zu unbekannt.

Es braucht mehr hinschauen, mehr Liebe, mehr Aufrichtigkeit – und das ohne Zwang … aber es muss in uns wachsen. Wir sind schon mitten im neuen Holocaust und wir schauen schon wieder weg.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.