Diese Weltmeisterin verdient unseren größten Respekt – lies warum!

Die zweifache Schach-Weltmeisterin wird ihre beiden Titel in Kürze nacheinander verlieren. Der Grund bestürzt, erntet aber unglaublichen Respekt in der Welt, zumindest der westlichen Welt.

Diese Weltmeisterin verdient unseren größten Respekt – lies warum!

Anna Muzychuk gibt WM Titel aufAnna Muzychuk verliert Ihre beiden Weltmeistertitel

Selten ist das vorher klar, aber nach ihrem Facebook Statement vom 23.12.2017 gegen 17.00 Uhr ist es klar, dass es so kommen wird, dass sie ihre beiden Weltmeister-Titel nacheinander verlieren wird.

Hier das Original-Posting in eigener Übersetzung:

„In ein paar Tagen werde ich zwei Weltmeistertitel verlieren – einen nach dem anderen. Nur weil ich mich entschieden habe, nicht nach Saudi-Arabien zu reisen. Nicht nach den Regeln eines anderen zu spielen, nicht Abaya zu tragen, mich nicht nur in Begleitung draußen zu bewegen, und überhaupt nicht, mich als Lebewesen zweiter Klasse zu fühlen. Vor genau einem Jahr habe ich diese beiden Titel gewonnen und war der glücklichste Mensch der Schachwelt, aber dieses Mal fühle ich mich wirklich schlecht. Ich bin bereit, für meine Prinzipien zu stehen und die Veranstaltung zu überspringen, wo ich in fünf Tagen mehr verdienen könnte, als bei einem Dutzend Veranstaltungen zusammen. All das ist ärgerlich, aber das Ärgerlichste daran ist, dass es fast niemanden wirklich interessiert. Das ist ein wirklich bitteres Gefühl, aber es ändert meine Meinung und meine Prinzipien nicht. Das gleiche gilt für meine Schwester Mariya – und ich bin wirklich froh, dass wir diesen Standpunkt teilen. Und ja, für die Wenigen, die sich interessieren – wir kommen wieder!“

Original-Post hier verlinkt:

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Danke Anna und Mariya Muzychuk

Ich möchte mich persönlich bedanken – ich als Mann, als Mensch und als jemand, der mit christlichen wie buddhistischen Werten verbunden ist. Ich weiß für mich nicht, ob ich mich zu einer Religion wirklich deutlich bekennen muss. Warum? Ich finde im christlichen Glauben vieles wieder, mit dem ich aufgewachsen bin. Natürlich weiß ich um Fakten, die den Glauben nicht fördern, beispielsweise das erste Konzil von Nicäa, aber auch um Dinge, die sehr wohl dazu geeignet sind. Die Werte hinter diesem Glauben sind nicht das, was einige Menschen daraus machen.

Die Werte des christlichen Glaubens

Das sind für mich vor allem Glaube, Liebe, Hoffnung (die göttliche Tugenden) sowie Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Recht. Genau diese Prinzipien sind zu verteidigen und zu schützen. Das ist für mich wichtig an meinem Glauben.

Im Buddhismus kennen wir

Die Vier Erhabenen Verweilzustände (Brahmavihara). Das sind Übungen zu den Tugenden: Güte (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) sowie Gleichmut (Upekkhā). Dies ist für mich eine Parallele und kein Gegensatz, Zudem versteht sich der Buddhismus zumeist weniger als eine Religion, sondern sieht sich als Philosophie.

Das Bild der Frau in der Gesellschaft

Es ist nicht nur im Koran verankert, dass Frauen sich Männern unterwerfen sollen. Das können wir durch einige Fakten belegen, die wir oft gerne vergessen. Sich trennende Frauen gibt es noch nicht lange und vor kurzem erst wurde eine Frau sogar wegen Facebook erstochen. Weiblichkeit macht eben immer noch zu oft Angst.

Der 12. November 1918 ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts

Seither gilt: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen“.

Bis 1957 durften Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes kein eigenes Konto eröffnen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es nur möglich, ein gemeinsames Konto zu haben oder der Ehemann eröffnete das Konto und konnte es auch beschränken.

Bis 1977 durften Frauen nicht ohne Einverständnis arbeiten

Seit dem 1. Juli 1977 gibt es das sogenannte „paritätische Ehemodell“. Laut 1356 BGB gilt seither: „Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen. […] Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.“ Von 1958 bis 1977 lautete § 1356 BGB Absatz 1: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“

Die Frauenbewegung

Es gibt viele Frauen, die wichtige Kultfiguren der Frauenbewegung wurden. Ob nun Coco Chanel, Alice Schwarzer, Beate Uhse oder viele andere – sie haben und hatten eine wichtige Position und es war und ist sicherlich nicht einfach, Frauen und Männern die gleiche Wertigkeit zu geben. Wir müssen in meinen Augen nicht in allen Bereichen gleichberechtigt sein, weil wir auch durchaus Unterschiede haben. Diesen dürfen wir Rechnung tragen. Das ändert aber nichts am Recht, sich frei zu entfalten und neuerdings auch nach freiem Willen zu heiraten, wen man möchte. Auch das ist noch nicht lange der Fall. Ohne eine Frauenbewegung wäre das noch nicht an dieser Stelle angekommen.

Anna und Mariya Muzychuk führen dies logisch fort

In dieser Konsequenz unserer Weiterentwicklung als Gesellschaft ist es nur logisch, dass diese beiden Frauen sich widersetzen und das System nicht anerkennen, dass ihre freiheitlichen Werte beschneidet. Wir haben uns nicht viele Jahre entwickelt, um uns wieder anzupassen. Wir haben das Recht, dagegen aufzustehen.

Niemand soll jemanden beschränken dürfen

Ich möchte niemandem meinen Glauben aufzwingen, niemanden bekehren, aber ich möchte auch keinesfalls, dass eine westlich orientierte Frau zu einer Verschleierung gezwungen werden darf. Ich kann und werde es nicht hinnehmen, dass wir die Jahre der Entwicklung unserer Gesellschaft wegwerfen, weil wir uns anpassen müssen. Natürlich ist deutsche Geschichte schwierig und immer noch die Grundlage für eine übergroße Zurückhaltung. Aber damit müssen wir aufhören. Hitler, Stalin, Mao, Iwan der Schreckliche, Idi Amin, Leopold II, Vlad Tepes, Saddam Hussein, Pol Pot und  Dschingis Khan – alles Massenmörder. Und es gibt noch viele mehr, die sich selbst an die Macht bringen konnten und von einem System getragen wurden, dass sich geduckt hat. Das darf nicht mehr geschehen, aber es kommt immer noch dazu. Wir müssen uns zu unseren Werten bekennen, zu unserer Gesellschaft und zu dem, was uns ausmacht. Wir können uns weiter vorwerfen, was geschehen ist, oder wir können uns als Weltgemeinschaft weiterentwickeln. Ich ziehe Letzteres vor.

Aufstehen und zu unseren Werten stehen

Wir müssen gegen die Unterdrückung von Menschen aufstehen, egal ob die Rechte von Frauen, von Kindern oder von wem auch immer eingeschränkt werden. Wir leben in einer Welt, in der wir „oversext“ und „underfuckt“ sind. Immer mehr werden sogar unsere Privatbilder aufgearbeitet und nicht nur die Bikini-Girls auf Zeitungen mit TV Magazinen. Das alleine war schon furchtbar, aber wir lassen uns das auch für uns vorschreiben und müssen auch schon Models werden, die jeden Tag noch schöner und jünger zu sein haben. Botox und andere Dinge sind normal geworden, denn man muss immer jugendlich schön und perfekt sein.

Das gilt für das einzelne Wesen wie für die Gesellschaft

Es gibt eine zu große Mediendiktatur, weniger wirkliche Nähe und zu wenig kollektives Bewusstsein. Wir sind noch zu wenig Weltenbürger, wenngleich Entfernungen immer schneller überwunden werden. Menschlich zu sein sollte nicht bedeuten, dass wir Diktaturen aufbauen können oder uns und jede andere Spezies auslöschen können. Es sollte heißen, dass wir Glaube, Liebe und Hoffnung die Türe zu öffnen lernen, die Barmherzigkeit wiedererkennen sowie Gerechtigkeit und Recht angemessen zur Geltung verhelfen. Unterdrückung und Verachtung haben keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Stellen wir uns dagegen und bekennen wir uns zu dem, was wir schon als Gesellschaft erreicht haben. Es ist sicherlich nicht perfekt, aber gut genug, um bewahrt und weitergeführt zu werden.

Daher nochmals an meinen Dank für diese weltmeisterliche Leistung.

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Bildquelle: Open Source nach/aus Wikimedia Commons

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