Neonazis Problem und Lösung

Wie kann es sein, dass es einmal ein Nazi Problem gab und dass es immer wieder hochkommt? Woher kommt die rechte Szene und wie kann man es schaffen, dass sie sich auflöst?

Neonazis Problem und Loesung


Neonazis Problem und Lösung

Wir haben wieder ein Nazi Problem – und nicht nur in Deutschland. Es war noch nie ein deutsches Problem, dass es rechtes Gedankengut gegeben hat oder eine andere Ideologie, die missbräuchlich genutzt wurde. Das Hakenkreuz Symbol ist in seiner langen Tradition als Swastika (wörtlich Glücksbringer) etwa seit 12.000 Jahren ein positives Symbol, das nur wenige Jahre brauchte, um als Symbol von Hass und Gewalt zu gelten. Wieso aber rutschen Menschen so ab und wie können wir das verhindern?

Woher der Ruck nach rechts kommt

Heute leben wir in einer Zeit der Anonymität, fehlender Anerkennung, fehlenden wirklichen sozialen Kontakten und vereinsamen in einer Gesellschaft der sozialen Kälte. Menschen sitzen sich gegenüber und schauen nur noch auf ihre Smartphones, statt sich zu unterhalten. Soziale Umbrüche und Krisen sind eine Eintrittskarte in die Labilität des Außenseiters.

Wir werden überall ausgegrenzt, denn es ist leicht geworden, seine Schönheit und die Idealfigur durch Operationen zu erreichen, sich schlank zu hungern und den immer neuen Trends zu folgen, weil sie uns verfolgen. So folgen wir immer mehr Trends, die uns eine Lösung versprechen. Die Identität geht verloren und wir suchen danach, Anschluss zu finden.

Der Wunsch nach Gemeinschaft

Wir sind jedoch soziale Wesen und möchten Teil einer Gemeinschaft sein. Diese Gemeinschaft wird uns immer  weniger angeboten. Wenn nun jemand auf uns zukommt, der uns anerkennt und der uns anbietet, dass man anders sein darf, dann reizt das. Wir dürfen anders sein, stolz sein und werden in eine Gemeinschaft aufgenommen. Du bist durch deine Geburt gut genug und gehörst zu denen, die das Recht auf ihrer Seite haben.

Du bekommst Anerkennung

Du bist wertvoll und fühlst dich wie jemand Besonderes, weil du ja zu den richtigen Menschen gehörst. Das fühlt sich unglaublich gut an und lässt einen schnell wegschauen. Man tritt für einander ein und wird immer mehr zusammengeschweißt. Es entsteht eine eigene Rechtsauffassung und ein Gemeinschaftsgefühl. Die richtigen Menschen halten zusammen und schützen sich vor den Übergriffen von außen. Man grenzt sich ab und will anzeigen, dass man Teil einer Gemeinschaft ist, die zusammen eine Stärke bietet, die man einzeln nicht erreichen kann. Du bist in einer Gruppe, in der es scheinbar einen Sinn gibt, eine Gemeinschaft und einen Zusammenhalt. Man tritt füreinander ein.

Eine Dynamik entwickelt sich

Die Stärke der Gruppe wird dann gemeinsam nach außen gezeigt und symbolisiert. Man triff gemeinsam auf und entwickelt eine klare eigene Sprache und Symbolik, die das nach außen andeutet, damit man nicht mehr angreifbar und verletzbar ist. So kommt es zu Parolen und Symbolen, die Aufmerksamkeit erregen. In der Öffentlichkeit zeigt man sich gemeinsam als stark und geschlossen. Nun kontrolliert sich die Gruppe selbst. Man sagt nicht mehr „Nein“, weil man sich nicht ausgrenzen möchte. Es reicht eine kleine Gruppe von Anführern, die dazu anstachelt, gemeinsame Zeichen der Abgrenzung zu setzen. Wer etwas gegen ein Mitglied hat, der spürt Gewalt. Das erinnert an Musketiere und große Ideale. Diese sind natürlich gut geeignet, uns anzusprechen.

Nun sind wir eine starke Gemeinschaft

Wir sind eine Gemeinschaft und halten zusammen. Niemand greift uns an, wir werden eine sichtbare Gruppierung. Dass daraus Gangs entstehen und es durch persönliche Interessen der Organisatoren zu illegalen Geschäften und organisierter Gewalt kommt, dass merkt man zuerst nicht. Erst nach und nach kommt man in den inneren Teil der Gruppe. Hier werden wir eingeschworen, sind gut auf die Ideologie trainiert und unsere Hemmschwelle sinkt immer weiter.

Warum steigt man nicht aus?

Man befürchtet, dass man wieder alleine wäre und die Gemeinschaft vermissen würde. Zudem gerät man unter Druck, denn die Gemeinschaft fordert unsere Zugehörigkeit. Das ist kein Buchclub, den man einfach kündigt. Ebenso wenig spricht man über sein Gewissen und seine Gefühle, denn das wäre ein Zeichen von Schwäche, was nicht zu der Gemeinschaft passen würde. Es ist schwer, dass man ausbricht und man hat Angst davor. Wir könnten wieder in die Leere fallen, die uns in diese Szene gebracht hat.

Wie kann man das Neonazi Problem lösen?

Es gibt viele verschiedene Dinge, die uns bewusst werden müssen, die wir leben sollten. Die Zeit ist gekommen, sich auf wichtige Dinge und Werte zu besinnen, die es verhindern können, dass unerwünschte Gruppierungen entstehen. Das können vor allem die folgenden Dinge sein:

  1. Prävention ist wichtig. Das bedeutet, wir müssen miteinander in bessere Kontakte kommen, Social Media beschränken und reale Kontakte wichtiger nehmen. Gesprächskultur neu zu kultivieren und barrierefreie Angebote zu schaffen, wo sich Menschen auf Augenhöhe begegnen können, muss eine unserer primären Aufgaben sein.
  2. In guten Gruppen aktiv zu sein schützt uns vor Einsamkeit und den falschen Gruppierungen gleichermaßen. Ob Malkurs, Tanzsportverein oder Selbstverteidigung – man kann eine wunderbare Gemeinschaft finden, die einem Rückhalt bietet.
  3. Schnelle Hilfe bei sozialen Problemen und Hilfe bei Einsamkeit, Depressionen, Angst sowie Panikstörungen. Es muss Beratungsstellen geben mit niedrigen Zugangsvoraussetzungen und auch für einen Erstkontakt Online Beratungsstellen, die dann die Basis einer realen Arbeit werden können.
  4. Aussprechen dürfen, welche Gedanken man hat, auch wenn diese nicht Mainstream sind sowie eine gute Streitkultur. Verrückte und abwegige Gedanken sind erst einmal kein Problem. Wir können Dinge abwenden, wenn wir unsere Gedanken offen diskutieren dürfen. Das gilt auch für extremes rechtes Gedankengut.
  5. Wir müssen gegen jede Art von Mobbing vorgehen und hier eine viel offenere Kultur der Zivilcourage entwickeln, die sich nicht militarisiert. Gemeinsam für einander einstehen und Mitmenschen Hilfestellungen anbieten muss zu unserem Alltag gehören.
  6. Integration ernst nehmen und Menschen, die in einen anderen Kulturkreis aufgenommen werden, darauf entsprechend vorbereiten. Dies führt dazu, dass es keine Gruppenbildung gibt, die gegen die eine oder andere Seite vorgehen möchte.
  7. Naturgemäß nehmen wir negative Dinge deutlicher wahr als positive. Was uns bedroht und ängstlich macht, das gelangt schnell in unser Bewusstsein und lässt unseren Körper schnell reagieren. Positive Dinge sind daher diejenigen, die wir deutlicher bewusst machen müssen, damit wir uns nicht so leicht entmutigen lassen im Leben.
  8. Das Stigma von Psychologischer Beratung, Psychotherapie, Hypnose, Meditation, Yoga und anderen Hilfestellungen oder Selbsthilfetechniken muss fallen. Man gilt oftmals als verrückt, wird ein Hippie oder ein naiver Esoteriker genannt, weil man andere Wege gehen möchte. Es ist sicherlich jedoch sehr gesund, sich vom Stress abzuwenden und für Balance im Leben zu sorgen.
  9. Unterrichtsfächer in der Schule, die ein soziales Miteinander besser vermitteln und Gesprächskultur lehren sollen uns wichtiger sein, als noch mehr Differenzierung in den Naturwissenschaften.
  10. Universitäten und Arbeitsplätze müssen menschlicher werden, mehr Gemeinschaft und Raum für Begegnung bieten, damit wir nicht nur Mitarbeiter einer Firma sind, sondern teil eines Teams.

Mein persönlicher Wunsch

Es wäre mir eine Freude, wenn wir gemeinsam dafür sorgen würden, dass wir andere Menschen besser anerkennen, uns gegenseitig helfen und dafür sorgen, dass wir das Gespräch suchen können, wenn wir es möchten oder für wichtig halten. Wir brauchen mehr Weltverbesserer, mehr Veränderer, gute soziale Kompetenz und Offenheit im Umgang miteinander.

Wichtig ist aber auch, dass wir in Deutschland auch einmal aufstehen und Ungerechtigkeiten aufzeigen, wo sie bestehen. Wir haben nichts zu tun mit dem, was in den 30er und 40er Jahren in Deutschland geschehen ist. Von den Anführern dieser Bewegungen lebt heute niemand mehr – wir verantworten es nicht.

International gab es viele Anführer wie Stalin, Lenin, Iwan den Schrecklichen, Pol Pot, Idi Amin, Dschingis Khan, Mao Tse Tung, Kim-il Sung, Joseph Mobutu und nicht nur den einen, der aus Österreich nach Deutschland kam. Die Niederländer sind in Südafrika und Indonesien nicht gerade für Freundlichkeit bekannt geworden – wie die Belgier im Kongo.

Wir müssen daher als Gesellschaft lernen und verstehen, wie wir Ausgrenzung, Einsamkeit und Identitätsverlust verhindern. Menschlichkeit und Gemeinsamkeit müssen unsere Ziele werden, die wichtiger sind, als das noch bessere Auto oder die noch besseren Kleidungsstücke.

Unsere Nahrung wird zu unserem persönlichen Gift, wir verpesten die Luft, exportieren unseren Müll, beuten Menschen aus, lassen Kinder für uns arbeiten und in einer von uns ignorierten Chemiebrühe verrecken. Es wird Zeit, dass wir hinschauen, wie wir mit uns, unseren Mitmenschen und der Umwelt umgehen. Wir müssen aufstehen und begreifen, dass wir diesen einen Planeten haben, der uns alle satt machen kann und auf dem wir alle uns selbst verwirklichen können.

Nahrung, Liebe, Glück und Atemluft werden nur dann aufhören, für uns alle verfügbar zu sein, wenn wir uns den Zugang durch achtlosen Umgang mit Ressourcen und Gefühlen selbst verwehren, weil wir sorglos denken, dass wir zu klein sind und zu unwichtig etwas zu tun. Es muss aufhören, dass wir glauben, wir wären so unsichtig, dass wir ohnehin nichts ändern können.

Es waren immer einzelne Menschen und kleine Gruppen, die etwas verändert haben. Diese Welt hat sich schon so oft neu erfunden, dass wir auch jetzt die Kraft haben, anders zu leben. Das Leben muss lebenswert sein, Freude bereiten und es hat keinen Platz für Hass und Zerstörung, wenn wir es nicht zulassen.

Jede gute Tat von heute wird Früchte tragen – egal wann. Das wirst du nicht verhindern, außer du nimmst diese Chance nicht wahr. Beginne damit, dein Leben und das Leben deiner Mitmenschen ein klein wenig schöner zu machen. Du wirst davon genau so viel Nutzen haben wie alle anderen Menschen auch.

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Kommentare

Neonazis Problem und Lösung — 1 Kommentar

  1. Diesen Bericht zu lesen war mir eine Freude ☺. Es bräuchte viel mehr Aufklärung und Berichte dieser Art vor allem im Fernsehen. Dass Deutschland nicht alle Armut in der Welt im Alleingang bekämpfen kann ist klar. Aber jetzt haben wir angefangen. Was mir fehlt, sind es Missstände offenzulegen und Änderungen herbei zu führen. Ich wünsche mir mehr davon und freue mich diesen Beitrag gefunden zu haben. DANKE

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